Jugendliche beim Bau von Häherkästen im IBZ St. Marienthal (Ostritz). © Helga Zumkowski-Xylander

Jugendliche werden aktiv

Der Eichelhäher ist ein wichtiger Helfer bei der natürlichen Waldverjüngung. Im Herbst legt sich der Vogel einen Wintervorrat an und versteckt Eicheln, Bucheckern und Nüsse im Boden. Dabei transportiert er die Samen teils mehrere hundert Meter weit und vergräbt sie einzeln oder in kleinen Gruppen. Da er viele Verstecke nicht wiederfindet, keimen die Samen im Frühjahr – neue Bäume entstehen. Auf diese Weise trägt der Vogel maßgeblich zur Verbreitung vor allem der klimastabilen Eiche bei.

Besonders in lichten Beständen können so hochwertige, stabile Mischwälder entstehen – ganz ohne Pflanzkosten. Voraussetzung sind jedoch vorhandene Samenbäume in erreichbarer Nähe. Fehlen diese, etwa in großflächigen Nadelholzbeständen, kann nachgeholfen werden.

Hier setzt die sogenannte Hähersaat an: Durch das Ausbringen von Eicheln oder Bucheckern in sogenannten „Häherkästen“ wird der natürliche Sammel- und Verstecktrieb des Vogels genutzt, um Samen in geeignete Waldbereiche eintragen zu lassen. Die luft- und wasserdurchlässigen, flachen Kisten werden im Oktober und November auf etwa 1,30 Meter hohen Baumstümpfen oder Pfählen angebracht, damit Schwarzwild keinen Zugriff hat. Pro Befüllung werden etwa ein Kilogramm Eicheln eingebracht. Das Saatgut sollte aus zugelassenen Beständen stammen; alternativ kann geeignetes Material aus dem eigenen Wald verwendet werden. Eine regelmäßige Kontrolle im Abstand von zwei bis drei Tagen stellt sicher, dass ausreichend Saatgut vorhanden ist und beschädigte oder hohle Samen entfernt werden.

Auf diese Weise wird der natürliche Verbreitungsmechanismus des Eichelhähers gezielt für die Waldentwicklung genutzt. Auch ohne vorhandene Mutterbäume kann so eine kostengünstige, standortangepasste und naturnahe Waldverjüngung angestoßen werden.

Im Rahmen der Initiative Oberlausitzer Zukunftswald wird diese Methode der natürlichen Waldverjüngung im Herbst 2026 angewandt. Zur Vorbereitung wurden im Rahmen einer Veranstaltung im IBZ St. Marienthal (Ostritz) etliche Häherkästen gebaut, von denen auch einige von den Schulklassen mitgenommen wurden, um sie in der Nähe ihrer Schule gemeinsam mit den dort ansässigen Forstbetrieben aufzustellen und so im eigenen Wohnumfeld den Oberlausitzer Zukunftswald ein Stück weit mitzugestalten.

Hintergrundwissen 

Wenn Vögel Milliarden sparen: Die ökonomische Bedeutung des Eichelhähers

  • Ein einzelner Eichelhäher versteckt jährlich bis zu 11.000 Eicheln. Ein erheblicher Teil dieser Samen wird nicht wiedergefunden – daraus können tausende neue Eichen pro Vogel und Jahr entstehen.
  • Bei einer europäischen Population von 15–29 Millionen Vögeln entspricht das jährlich etwa 52–102 Milliarden neu gepflanzten Eichen.
  • Eichelhäher übernehmen damit unbeabsichtigt eine massive natürliche Aufforstungsleistung.
  • Würde diese Arbeit von Menschen geleistet, entstünden – bezogen auf Europas Eichenwaldfläche – jährliche Kosten von rund 47,7 bis 215,7 Milliarden US-Dollar.
  • Die Lebensleistung eines einzelnen Eichelhähers entspricht einem wirtschaftlichen Wert von mehreren hundert bis über tausend US-Dollar.
  • Eichelhäher sichern durch Samenverbreitung und -vergrabung den Erhalt europäischer Eichenwälder effizienter, als es menschliche Pflanzungen könnten.
  • Anhaltende Abholzung gefährdet jedoch diese natürliche Regenerationsleistung: Sinkt der Eichenbestand, sind auch Eichelhäher bedroht.
  • Grundsätzlich gilt: In vielen Wäldern weltweit tragen Tiere entscheidend zur natürlichen Wiederbewaldung bei – Waldzerstörung schwächt daher nicht nur die Fläche, sondern auch die Fähigkeit der Ökosysteme, sich selbst zu erneuern.

Quelle: https://tu-dresden.de/mn/biologie/studium/studieren-an-der-fachrichtung-biologie/wissenschaftskommunikation-von-bios/bios-artikel/fleissige-voegel-aufforstung-durch-eichelhaeher