
Abb. 1: Vorkommen der Hirschzunge (Asplenium scolopendrium L.) im Ostritzer Stadtwald. © Tim Heidelk

Abb. 2: Europäischer Ausschnitt aus dem weltweiten Verbreitungsareal der Hirschzunge (Quelle: FloraWeb, zuletzt abgerufen am 04.02.2026).
Für die Durchführung von Pflanzaktionen ist häufig eine umfangreiche Vorbereitung der Pflanzflächen nötig. Beim sogenannten Freischneiden wird unerwünschte Begleitvegetation (z.B. Brom- und Himbeeren) entfernt, um so für die jungen Bäume einen Konkurrenzvorteil zu schaffen. Dass es sich lohnt, bei den Freischneide-Arbeiten genau hinzuschauen, zeigt der kürzliche Fund eines Hirschzungenfarnes (Asplenium scolopendrium L.). Die auch als Hirschzunge bezeichnete Pflanze aus der Familie der Streifenfarngewächse (Aspleniaceae) gilt laut Rote Liste Sachsen (Schulz, 2013) für das Bundesland als „ausgestorben oder verschollen“ (RL 0) und konnte im Rahmen von Freischneide-Maßnahmen im Ostritzer Stadtwald entdeckt werden (Abb. 1).
Die Hirschzunge besiedelt in der Regel sickerfeuchte Schluchtwälder, Blockschutthalden und schattige Felsen. Als kalkliebende Art ist sie zudem an Mauern und Lössböschungen sowie in Brunnenschächten anzutreffen. Grundsätzlich handelt es sich um einen Frischezeiger auf überwiegend mittelfeuchten Böden und mit einem ozeanischen Verbreitungsschwerpunkt einschließlich des westlichen Mitteleuropas (Abb. 2).
Das Vorkommen im Ostritzer Stadtwald bildet einen der östlichsten Fundpunkte der Art innerhalb Sachsens (Abb. 3) und Deutschlands. Die Hirschzunge wurde auf einer kleinen Freifläche unter einem üppigen Bewuchs aus Brombeere entdeckt. Die Freifläche war ehemals mit Fichten bestockt. Angrenzend findet sich nach wie vor ein mittelalter Fichtenbestand, der ebenfalls durch einen starken Brombeerbewuchs gekennzeichnet ist.
Da es sich bei der Hirschzunge um eine besonders geschützte Art (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG) handelt und nur ein einziges Exemplar auf der Fläche gefunden werden konnte, wurde auf die Entnahme eines Herbarbelegs verzichtet. Stattdessen wurde das Vorkommen fotografisch dokumentiert, was aufgrund der guten Kenntlichkeit der Art als Nachweis genügt.
Im Rahmen der Gefährdungsanalyse gibt die Rote Liste Sachsen (Schulz, 2013) die geringe Konkurrenzkraft der Art gegenüber anderen Gruppen als Risikofaktor an. Für die letzte Beobachtung der Art in Sachsen ist hier das Jahr 1949 benannt. Mittlerweile ist die Hirschzunge wieder häufiger in Sachsen anzutreffen und wird ihrem Status als ausgestorbene/verschollene Art glücklicherweise nicht mehr gerecht. Insbesondere im Raum Dresden sind einige neuere Funde bekannt (Abb. 3). Dennoch gilt jedes Vorkommen als Besonderheit und sollte unbedingt geschützt werden. Deutschlandweit ist die Hischzunge als ungefährdet zu betrachten (Metzing et al., 2018).

Abb. 3: Fundpunkte der Hirschzunge in Ostsachsen (Quelle: FloraWeb, zuletzt abgerufen am 04.02.2026; grüne Punkte: Beobachtungsdaten aus GBIF).
In den kommenden Jahren wird das Vorkommen in Ostritz und seine Entwicklung beobachtet und bei forstlichen Pflegemaßnahmen auf der Fläche geschont. Gleichzeitig ist die Suche nach weiteren Exemplaren der Art im Ostritzer Stadtwald angedacht und bietet Raum für weitere Citizen Science-Aktionen zur Arterfassung im Rahmen der Initiative Oberlausitzer Zukunftswald.
Funddaten der Hirschzunge auf einen Blick
Land/Bundesland: Deutschland, Sachsen
Ort: Ostritz
Fundort: Ostritzer Stadtwald, auf einer kleinen Freifläche angrenzend an einen Fichtenbestand
Substrat: Waldboden unter Fichte und üppigem Brombeerbewuchs
Koordinaten: 51°01.0153‘ N, 14°53.5811‘ E
Datum: 19. September 2025
leg./det.: Tim Heidelk
Literatur
Metzing, D.; Garve, E.; Matzke-Hajek, G.; Adler, J.; Bleeker, W.; Breunig, T.; Caspari, S.; Dunkel, F.G.; Fritsch, R.; Gottschlich, G.; Gregor, T.; Hand, R.; Hauck, M.; Korsch, H.; Meierott, L.; Meyer, N.; Renker, C.; Romahn, K.; Schulz, D.; Täuber, T.; Uhlemann, I.; Welk, E.; Van de Weyer, K.; Wörz, A.; Zahlheimer, W.; Zehm, A. & Zimmermann, F. (2018): Rote Liste und Gesamtartenliste der Farn- und Blütenpflanzen (Trachaeophyta) Deutschlands. – In: Metzing, D.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek, G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 7: Pflanzen. – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 13–358.
Schulz, D. (2013): Rote Liste und Artenliste Sachsens. Farn- und Samenpflanzen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hrsg.). 310 S.





